Verschiebungen zwischen den Sortimenten

Handelsverband Koch- und Tischkultur (GPK)

Die Branche trifft sich in diesem Jahr zu ihrer Jahrestagung am 14./15. Mai in Düsseldorf.

Der Gesamtmarkt GPK/Hausrat hält sich mit 6,16 Milliarden Euro Bruttoumsatz auf hohem Niveau, verlautete auf der Jahrespressekonferenz des Handelsverbands Koch- und Tischkultur (GPK) während der Ambiente. Leicht schwächer entwickelte sich der Gesamtmarkt der Elektro-Kleingeräte, von dem jedoch nur ein Teil der Küchen- und Haushaltsbranche zugerechnet wird. Bemerkenswert sind in Bezug auf das Jahr 2018 die Verschiebungen innerhalb der Bereiche und die stark abweichende Nachfrage in den einzelnen Monaten des abgelaufenen Jahres.
In der Marktbeobachtung des Instituts für Handelsforschung (IFH) schnitt der Bereich „Domus“ mit einem Umsatzplus von 1,2 Prozent und einem Marktvolumen von 2,06 Milliarden Euro ab. Dazu zählen Wohnaccessoires, Dekoration und Geschenkartikel. Die Ausgaben für „Tavola“ stiegen um 0,4 Prozent auf 1,52 Milliarden Euro, wobei die Nachfrage nach Tafelgeschirr und Trinkglas um jeweils 5,5 Prozent schwächer ausfiel als 2017. Seinen vorläufigen Höhepunkt hat der Bereich „Cucina“ überschritten, der im Jahr 2018 3,0 Prozent einbüßen musste und nun 2,59 Milliarden Euro umfasst. Der Umsatzrückgang betrifft insbesondere Koch-, Brat- und Backgeschirr, das viele Jahre lang stets für Zuwächse sorgte und noch vor einem Jahr als „Shooting Star“ unter den Sortimenten bezeichnet wurde.

Konsumverhalten polarisiert sich
„Ernährung ist die neue Religion“: Diese Feststellung betrifft einen Teil der neuen Ernährungsweisen, die vor allem den jüngeren Konsumenten eine Orientierung und Abgrenzungsmöglichkeit bieten. Wie im Einrichtungsbereich natürliche Materialien einen immer größeren Stellenwert und Status haben, gewinnen für viele Menschen auch Qualität, Produktionsweise und Verarbeitung von Nahrungs- und Genussmitteln einen immer höheren Stellenwert. Hier gibt es einen Wandel zu mehr Wertschätzung: Zusammen kochen, sich gegenseitig einladen, Hintergründe zu Gerichten kennen und Vielfalt und dem Besonderen ein gesteigertes Interesse entgegenbringen.

Sich überlagernde Vertriebsformen
Die amtliche Statistik arbeitet auch heute mit Kategorien, die vor mehreren Jahrzehnten gültig waren. Viele klassische Porzellan- und Hausratgeschäfte sind längst Lifestyle-Läden. Spezialisten für Dekoration und Wohnaccessoires, Bedarfsangebote in ambitionierten Lebensmittelgeschäften kennzeichnen diese Entwicklung. Fachgeschäfte standen im vergangenen Jahr für 36 Prozent des Branchenumsatzes, der Möbelhandel für 14 Prozent, SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte für 12 Prozent, Lebensmittelhandel und Discounter für 9 Prozent. Den Umsatzanteil von Pure-online-Playern könnte nur die Gesamtheit aller Hersteller und Importeure ermitteln. Er wird mit 12 Prozent angegeben. Immerhin noch 9 Prozent machen die Kauf- und Warenhäuser aus. Welche Bedeutung sie im kommenden Jahrzehnt haben werden, und wem möglicherweise Teile ihrer Umsätze zufließen werden, ist ungewiss.

Große Herausforderungen für den Fachhandel
Die Sortimentskompetenz des Fachhandels ist unbestritten. Und doch vermissen die Unternehmen bei vielen ihrer Lieferanten eine konsistente, differenzierte Vertriebspolitik. „Mit gleichen Serien und einheitlichen Konditionen in vielfältigen Vertriebsformen präsent zu sein funktioniert heute nicht mehr, stellt Christina van Dorp, Präsidentin des Handelsverbandes Koch- und Tischkultur fest. „Jeder Vertriebsweg hat seine spezifischen Aufwendungen und damit verbunden unterschiedliche Kostenstrukturen. Zugleich leisten die einzelnen Handelsformate unterschiedlich viel für Markenhersteller.“ Entsprechend stellt sich die Frage, was Hersteller für ihre Vertriebspartner leisten. Beispiele sind verlässliche Neuheiten inklusive Marketingunterstützung und Verfügbarkeit von Daten und Ware.
Der Handel muss heute stationär wie online sichtbar sein. Doch hier ist nicht jeder Handelsunternehmer professionell genug aufgestellt. Die Hoffnung der Branche liegt auf „Eres“, dem digitalen Roll out der Mehrbranchen-Verbundgruppe EK/servicegroup.

Heißer Sommer, schwächeres Weihnachtsgeschäft
In weiten Teilen Deutschlands dominierten fünf Monate lang Hitze und Trockenheit die Kundenbedürfnisse. Davon profitierten die Sortimente Gartenausstattung und -dekoration mit einem Umsatzplus von 4,2 Prozent bei einem Marktvolumen von 2,14 Milliarden Euro und beflügelten auch diesbezügliche Umsätze der Fachgeschäfte. Auf der anderen Seite sank hitzebedingt die Kundenfrequenz in vielen Städten, was zu Umsatzausfällen führte, die in den übrigen Monaten des Jahres 2018 nicht ausgeglichen werden konnten.
Das Weihnachtsgeschäft verlief uneinheitlich. Auf der Suche nach den Ursachen fallen die Umsatzspitzen unmittelbar vor der Adventszeit ins Auge: Black Friday und Cyber Monday. Diese aus den USA nach Europa geschwappte, rabattgetriebene Umsatzwalze des Onlinehandels zieht viel Kaufkraft und Weihnachtseinkäufe aus der Adventszeit ab. Ganze Einkaufsstraßen fühlen sich schon im November genötigt, ebenfalls mit hohen Rabatten Kunden zu locken. Die Spuren im Weihnachtsgeschäft des Einzelhandels sind nicht zu übersehen.

Ausblick auf 2019
Die erwartete Abschwächung der Konjunktur dürfte sich angesichts von Tarifsteigerungen und einer positiven Arbeitsmarktlage in diesem Jahr noch nicht auf den Konsum auswirken. Der Handelsverband Deutschland erwartet eine Steigerung des Einzelhandelsumsatzes von 2 Prozent. Insofern ist damit zu rechnen, dass auch der Handel mit GPK und Hausrat einen positiven Verlauf nimmt. Es hängt allerdings viel davon ab, auf welche Vertriebswege Hersteller ihren Fokus haben und ob sich Umsätze verlagern.

GPK-Branchentagung im Mai
Die Branche trifft sich in diesem Jahr in Düsseldorf zu ihrer Jahrestagung am 14./15. Mai, ausgerichtet vom Handelsverband Koch- und Tischkultur. Der „Rote Faden“ verläuft von einer gesellschaftspsychologischen Analyse des richtungsweisenden Rheingold-Instituts über die bei Ikea eingeleitete Transformation hin zur Zukunft des Einkaufens in Zeiten digitalisierter Städte. Die Tagung richtet sich gezielt auch an Teilnehmer aus der Industrie. Dazu gehören die Auseinandersetzung mit der Kraft der Marke und ihrer Bedeutung in der Wertschöpfungskette wie auch die Preispsychologie mit einem Werkzeugkasten zur Bekämpfung des Preis- und Margenverfalls. Zum Branchenabend laden Hersteller von Besteck, Schneidwaren und Kochgeschirren in die Wipper Aue in das weltbekannte Zentrum hochwertiger Fertigung nach Solingen ein. Die Tagung ist eingerahmt in Exkursionsangebote. Bild: Handelsverband Koch- und Tischkultur

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