Gute Umsätze

Bundesverband für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur e.V., GPK,

So konnte die Branche zufrieden auf das Jahr 2014 zurückblicken, gab es doch ein leichtes Umsatzplus von 0,3 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro.

Der Bundesverband für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur e.V., GPK, gab im Rahmen der Ambiente in Frankfurt die Jahreszahlen bekannt. So konnte die Branche zufrieden auf das Jahr 2014 zurückblicken, gab es doch ein leichtes Umsatzplus von 0,3 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro.

Alle Fachgeschäfte die im Bundesverband organisiert sind, meldeten ein Umsatzplus von 1,8 Prozent. Unter den Kernwarengruppen schnitten Besteck und Tischaccessoires am besten ab. Die mit 1,5 Prozent vom Handelsverband Deutschland prognostizierten Zusatzumsätze im Einzelhandel stimmen die Branche optimistisch, zumal sich die Themen Kochen, Backen und Grillen weiter hoher Beliebtheit erfreuen.

Die Entwicklung der einzelnen Warengruppen im Vergleich der unterschiedlichen Vertriebswege, unter denen der Facheinzelhandel ein Drittel des Umsatzes erzielt, gibt einen Hinweis auf Veränderungen in den Kaufpräferenzen: Das Institut für Handelsforschung weist für die Segmente Glas und Geschirr ein klares Wachstum aus, die Fachgeschäfte jedoch einen Rückgang von 3,9 Prozent beziehungsweise 6,4 Prozent, was zeigt, dass eine Reihe von Herstellern verstärkt andere Vertriebswege bedient. Im Volumengeschäft dürften es Möbelhäuser sein, im Markengeschäft der Onlinehandel inklusive der Shoppingclubs. Dass die Warengruppe der Töpfe und Pfannen im Fachhandel nur um 0,4 Prozent schrumpfte, verwundert angesichts der ausufernden Treueprämienangebote des Lebensmittelhandels und der SB-Warenhäuser. Zweistellig wuchsen in den Fachgeschäften hingegen Zusatzsortimente wie PBS/Karten/Bücher mit 52 Prozent und Garten/Outdoor mit einem Plus von 31,9 Prozent, die allerdings beide einen geringen Anteil am Gesamtumsatz haben. „Die Mitgliedsunternehmen unseres Bundesverbandes lassen keine Chance aus, ihre Sortimente den sich verändernden Kundenwünschen anzupassen“, erläutert der Präsident des Bundesverbandes Gerald Funk diesen Trend.

Politik und Handelsverbände sind bei kommunaler Vernetzung gefordert

Die Spreizung in der Entwicklung der Betriebsgrößen hat klar abgenommen. Häuser mit mehr als 1,5 Millionen Euro Umsatz konnten um 2,6 Prozent zulegen, die kleineren Unternehmen steigerten ihren Umsatz um 1,4 Prozent. Branchenspezifische Zahlen für den Möbelhandel, über deren Fachabteilungen 13 Prozent des Absatzes laufen, liegen dem Bundesverband nicht vor. Warenhäuser, konzerngebunden wie Kaufhof und Karstadt, aber auch inhabergeführt, wie sie in der Mehrbranchen-Verbundgruppe EK/servicegroup organisiert sind, kommen auf einen Marktanteil von knapp 10 Prozent, SB-Warenhäuser/Verbrauchermärkte liegen bei 12 Prozent Anteil, der Lebensmittelhandel inklusive Discountern kommt auf 9 Prozent Anteil und der Versandhandel wird auf 11 Prozent geschätzt. In dieser Gruppe dominieren Onlinehändler, während der katalogbasierte Versandhandel nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Auch wenn die Branche mit Freude immer wieder über Neueröffnungen berichtet, darf dieses nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Klein- und selbst in Mittelstädten die Umsatzbasis für den Fachhandel schwindet. Es liegt zum einen an umsatzstarken Herstellern, die immer stärker auf den Onlinehandel, den eigenen Webshop und Treueprämienaktionen setzen, zum anderen an dem Frequenzrückgang in vielen Stadtzentren bei oftmals sogar noch steigenden Mieten. Dies stellt eine große Herausforderung für die Kommunalpolitik und die Handelsverbände dar: Der stationäre Handel muss sich vernetzen, er muss zugleich online präsent sein, den gemeinsamen Kunden ein Informations- und Servicepaket bieten. In einzelnen Städten wie auch über Initiativen wie „Buy Local“ erlebt dieser Aspekt bereits hohe Aufmerksamkeit.

Für den Einzelhandel im Schwerpunkt mit keramischen und Glaswaren weist das Statistische Bundesamt für die ersten elf Monate des Jahres 2014 einen Umsatzrückgang von 4,2 Prozent aus, für den Einzelhandel mit Metall- und Kunststoffwaren hingegen ein Wachstum von 1,9 Prozent. Wenngleich diese Kategorisierung nur schwer auf die heutigen Geschäftstypen übertragen werden kann, ist daraus angesichts der positiven Umsatzentwicklung bestehender Geschäfte ein signifikanter Rückgang der Standorte abzuleiten, den die amtliche Statistik nur mit großem Zeitverzug preisgibt.

Die Gründe der schließenden Betriebe sind vielfältig: Oftmals ist es die fehlende Nachfolge, manchmal der Wettbewerb durch Factory Outlets, wo Hersteller ihre Produkte weit unter ihrer unverbindlichen Verkaufspreisempfehlung anbieten. Der Trend zum Showrooming – Produkte im Fachhandel anzusehen und sich beraten zu lassen, um anschließend online zu kaufen – wird oftmals als Missstand angeprangert. „Selbst wenn es nur wenige Prozente des Umsatzes sind, die dem Fachhandel dadurch verloren gehen, entscheiden diese Umsatzverschiebungen darüber, ob im Jahresabschluss eines Unternehmens ein Gewinn oder ein Verlust ausgewiesen wird“, erläutert Thomas Grothkopp als Erkenntnis aus dem Jahresbetriebsvergleich.

Zukunftsmodell Individualisierung

Andererseits stellen sich einige Fachhändler mit viel Energie neuen Kaufpräferenzen ihrer Kunden und sind als Multichannel-Händler im Internet präsent. Die Geschäftsmodelle sind hier höchst unterschiedlich: Vom Vollsortimenter über Händler, die sich auf einzelne Marken fokussieren bis hin zu Aktionsangeboten. Einerseits klagt der beratende Cityfachhandel über die Onlinekonkurrenz, andererseits sind es nicht nur die marktstarken Versender, die einer auskömmlichen Kalkulation entgegenstehen, sondern mitunter auch mittelständische Kollegen. Erfahrungen im Onlinehandel hat Hermann Hutter, Vizepräsident des Bundesverbandes und Geschäftsführer des Unternehmens Abt in Ulm: „Viele unserer Kunden aus dem Umland schätzen unser Online-Angebot zusätzlich zur Beratung im Geschäft. Wenn die Kaufentscheidung gefällt ist, bestellen sie vom heimischen Sofa aus und lassen sich die Waren nach Hause liefern. Letztlich bringt die Kombination aus regionaler Werbung mit unserem Journal, das gute Image eines beratenden und gut sortierten Fachgeschäfts und der seriöse, leistungsfähige Onlineshop den Unternehmenserfolg“.

Neben Multichannel ist die Individualisierung eine erfolgreiche Strategie inhabergeführter Fachgeschäfte. Sie wägen sorgsam ab, welche in allen Vertriebskanälen präsenten Marken sie unausweichlich führen müssen, welche Hersteller mit selektivem Vertrieb zu ihrem eigenen Anspruch und dem ihrer Kunden passen, mit welchen Sortimenten und Produkten sie sich zum örtlichen und regionalen Wettbewerb differenzieren können. „Die Zahl der Kunden, die statt Mainstream-Marken unsere Vorauswahl an Lieferanten und Produkten schätzen, nimmt zu“, erläutert Christina van Dorp, Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes, anhand ihres Fachgeschäfts am Bonner Münsterplatz, das neben Tisch- und Küchenausstattung auch hochwertige Leuchten sowie Wohntextilien führt. Immer mehr Fachhändler beraten ihre Kunden über das gesamte Sortiment, bieten individualisierbare Produkte an, beraten gewerbliche Kunden und Kanzleien mit besonderem Anspruch. Dies ist ein USP von Fachgeschäften vor Ort, die oftmals auch Koch- und Grillkurse und vergleichbare Events anbieten.

Politik muss leistungsbezogene Konditionen zulassen

Einige Hersteller haben Sorgen, dass ihnen auf Dauer kein flächendeckender beratender und ihr Sortiment in der Breite führender Fachhandel mehr zur Verfügung steht und sie somit ihren Markenanspruch verlieren könnten. Beim Versuch, über eine leistungsbezogene Konditionendifferenzierung den unterschiedlichen Kostenstrukturen der einzelnen Vertriebswege gerecht zu werden, scheitern sie regelmäßig an den Kartellbehörden. Angefeuert durch Onlinehändler, die in einer solchen Differenzierung eine Diskriminierung sehen und dem Fachhändler einen Bonus für Präsentation und Beratung streitig machen, weil ihre Geschäftsform des Versandhandels einen solchen Bonus nicht ermöglicht, sperrt sich das Bundeskartellamt gegen qualifizierte Konditionendifferenzierungen. „Eine alternative Honorierung beispielsweise über Abteilungszuschüsse lösen dieses Problem allerdings nicht, da sie statisch und letztlich nicht erfolgsorientiert sind“, erläutert der Geschäftsführer des Bundesverbandes, Thomas Grothkopp. „Sie passen nicht in eine Wettbewerbswirtschaft, wo Rohertrag und Umsatz die Bestimmungsgrößen für den wirtschaftlichen Erfolg sind.“ Dass auch die Lieferanten an solchen Regelungen nicht interessiert sind wird dadurch belegt, dass viele von ihnen dem Händler noch immer den Ladenbau der Abteilungen berechnen, während sie bei Großvertriebsformen Listungsgebühren zahlen müssen.

Rahmenbedingungen lassen Mehrumsatz erwarten

Ein wichtiger Bestimmungsfaktor für den Branchenerfolg ist das Konsumklima. Die Beschäftgungsquote und die Kaufkraft steigen, wegen niedriger Zinsen liegt die Konsumbereitschaft höher als in den Vorjahren. Viele Menschen fokussieren sich auf das persönliche und häusliche Umfeld, für sie haben das Wohnen und die Gestaltung der eigenen vier Wände in Deutschland einen überragenden Stellenwert. Von Januar bis September 2014 wurde in Deutschland der Bau von 212.600 Wohnungen genehmigt, 5,2 Prozent oder 10.400 Wohnungen mehr als in den ersten neun Monaten 2013. Die im Jahr 2010 begonnene positive Entwicklung bei den Baugenehmigungen im Wohnungsbau setzt sich somit weiter fort. Die Zahl der Haushalte ist gegenüber 1991 um 4,7 Millionen auf jetzt 40 Millionen gestiegen. Im Schnitt gibt jeder Haushalt 143 Euro pro Jahr für Tisch- und Küchenausstattung aus, wie das Institut für Handelsforschung im Auftrag der Messe Frankfurt ermittelt hat.

 

Category Management jetzt auch für Händler ohne artikelgenaue Warenwirtschaft

 

Der Bundesverband und die in diesem Projekt federführende Verbundgruppe EK/servicegroup haben beschlossen, ab 2015 eine Variante des Category Managements ohne EDV-gestützte Warenwirtschaft zu entwickeln. Die Erfahrungen aus dem seit gut dreieinhalb Jahren laufenden Projekt ermöglichen es jetzt, auch mit Händlern, die die bisherigen Voraussetzungen nicht erfüllen, ihre Verkaufsflächen nach modernen Methoden zu optimieren. Der Bundesverband finanziert in den Jahren 2015 und 2016 die Pilotphase mit, in der wiederum EK/servicegroup den überwiegenden organisatorischen, personellen und - gemeinsam mit einer Reihe von Herstellern - finanziellen Teil trägt.

 

Erfahrungsaustausch ist die Chance des Mittelstandes

 

Erfa-Arbeit gilt gemeinhin als Nachteilsausgleich von inhabergeführten Geschäften gegenüber Filialisten. Der Bundesverband organisiert und koordiniert deshalb die Erfa-Arbeit der Branche, ist Träger des Monatsvergleichs am Institut für Handelsforschung (IFH) und - gemeinsam mit dem Zentralverband Hartwarenhandel (ZHH) - des IFH-Jahresbetriebsvergleichs. An diesen Benchmarks kann sich der teilnehmende Fachhandel messen und die Ergebnisse in Gegenüberstellung in seinen Erfa-Gruppen diskutieren. Für den Bundesverband als Interessenvertretung liefert die Vergleichsarbeit eine wichtige Datenbasis für seine Aufgabe als Interessenvertretung, wobei die Anonymität der Meldungen durch das Institut gewährleistet ist.

 

Branchentagung

 

Unter dem Motto „Womit wir morgen erfolgreich sind“ findet am 15./16. Juni 2015 die GPK-Branchentagung in Mainz statt. Inhaltlich befasst sich der Kongress mit den dynamischen Veränderungen der Handelslandschaft und den Konsequenzen für die Branche, eingeleitet von Dr. Kai Hudetz, Institut für Handelsforschung. Es werden Vertreter unterschiedlicher Geschäftsmodelle des Handels vortragen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei Personalthemen: Qualifizierung, Motivation, Entlohnung sind die Stichworte. Montagnachmittag wird es eine Ausdifferenzierung in Arbeitsgruppen geben, um für die unterschiedlichen Erwartungen der Teilnehmer Angebote zu haben. Selbst auf einen möglicherweise provokanten Vortrag wird nicht verzichtet, denn unmittelbar vor der gemeinsamen Abendveranstaltung spricht Digital Native und Erfolgsblogger Philipp Riederle. Die ersten 100 Frühbucher sind von Stephan Weber zu einem Grillevent am Sonntagabend eingeladen, überhaupt beteiligen sich zahlreiche Lieferanten an der Ausgestaltung und an der Finanzierung der Branchentagung.

 

Der Bundesverband steht zur Leitmesse „Ambiente“

 

Internationale Leitmessen sind aus Sicht der Fachverbände des Handels unverzichtbar, weshalb sie diese umfassend unterstützen. Der GPK-Bundesverband hat traditionell seinen Informationsstand im Foyer der Halle 4.0 und führt seine Jahrespressekonferenz auf der Messe durch. Er berät den Veranstalter in allen Fachbesucher betreffenden Fragen und sieht die Messe Frankfurt gut aufgestellt: Von der kostenlosen Nutzung von Bus und Bahn über hervorragende Informationen bis hin zu Sonderschauen, Auszeichnungen und Trendpräsentationen. Für unterschiedliche Besuchergruppen gibt es gezielte Angebote. Er sieht auch keine wirkliche Konkurrenz zu den maßgeblichen Regionalmessen, die das Angebot der Leitmesse ergänzen und insbesondere kleine Handelsunternehmen ansprechen, die sich den mehrfachen Besuch in Frankfurt nicht leisten können. Andererseits fordert der Bundesverband die Veranstalter der Konsumgütermessen auf, sich terminlich untereinander abzustimmen. „Es kann nicht sein, dass einzelne Veranstalter sich damit begnügen, einen Konsens mit ihren Ausstellern herbei zu führen“, nimmt Thomas Grothkopp Stellung, „die Termine müssen so liegen, dass Lieferanten möglichst zu allen Messeterminen für ihre Handelskunden präsent sind. Andererseits müssen auch Händler, die mehrere Branchen wie Papeterie, Kreativsortimente und Spielwaren führen, alle relevanten Leitmessen besuchen können. Die zeitgleiche Durchführung der Spielwarenmesse einerseits und der Christmas-, Creative- und Paperworld andererseits darf sich nicht wiederholen.“

 

Zurück

Aktionen rund um die Nachricht

Drucken  Die Nachricht drucken

RSS-Feed bestellen  RSS-Fead: abonnieren
Verfolgen Sie die neuesten Artikel in Ihrem RSS-Reader oder E-Mail-Programm.